Der hier zu mietende Jeep aus den 50er Jahren wurde von uns 2005, damals noch in einem desolaten Zustand, angeschafft.
Optisch war er zwar von weitem hübsch, der Verkäufter hatte jedoch sichtbar einfach den Wagen vor dem Lackieren gewaschen und dann über alles, inklusive teilweise der Reifen, drüberlackiert.
Die komplette Verkabelung war marode, die Sitze waren fast nicht mehr zu gebrauchen, alle Verschleißteile waren genau das: verschlissen.

In den folgenden Jahren wurde der Jeep nach und nach von einem Fachbetrieb in Ohmenhausen, Deutschland, der spezialisiert auf historische Jeeps ist, komplett restauriert, der Motor überholt, Defektes und fast-Defektes mit neuen Originalbauteilen ersetzt, die Karrosse wurde sandgestrahlt und wieder in der historischen Originalfarbe lackiert.


Generelles zur Geschichte des Jeeps folgt hier, zusammengetragen aus verschiedenen Quellen:

Willys MB Baujahr 1944

(c): Lothar Spurzem  CC BY-SA 2.0 de


Die Geschichte des Willys Jeeps ab 1940

 

Die Entstehungsgeschichte des legendären Willys Jeeps ist eine heute undenkbare, da beachtlich kurze.
Hier noch kürzer gefasst:

 

1940 wurde in den USA vom Chefingenieur der Militärordonanz der erste Entwurf mit Bemaßung und Faltdach einem technischen Komitee der Armee zur Verwirklichung vorgelegt.
Interessiert an dem Entwurf und an der Ausschreibung zur Herstellung einer ersten Auflage - von zunächst wenigen Dutzend Stück - waren aufgrund des Zeitdrucks nur sehr wenige Hersteller: Willys Overland, Ford und American Bantam.

 

Letzterer bekam auch zunächst den Zuschlag für den ersten Großauftrag. Die Firma war jedoch aus Sicht des Militärs zu klein, um sicherstellen zu können, dass alle benötigten Teile fristgerecht hergestellt werden können.

Da 1940/41 die wirtschaftlichen Interessen der Herstellerfirmen hinter das strategische Interesse des Militärs für den geplanten praktischen Einsatzes gestellt wurden, wurden die geeignetsten Teilentwürfe zusammengelegt:
Willys Overland, aus dessen Prototyp der beste Motor stammte, Ford, mit dem besten Fahrgestell, und Bantam sollten sich die Herstellung teilen.

Im weiteren Verlauf wurde Bantam, aufgrund zeitlicher militärischer Erwägungen, herausgedrängt, während Willys die Mängel, vor allem am Fahrzeuggewicht, noch zu beheben imstande war. Rigoros wurde getestet, Unpraktisches umgehend verworfen und sofort adaptiert neu hergestellt.

 

Die gesamte Entwicklung und der Wettbewerb zogen sich also über lediglich ein Jahr, und bereits im Juli 1941 bekam Willys Overland den Produktionsauftrag für das erste standardisierte Fahrzeug dieser Reihe (MB Standard).

 

Da das Militär während des zweiten Weltkrieges dringenden Bedarf an einer großen Zahl dieser Fahrzeuge hatte und Willys nicht schnell genug die gewünschte Anzahl liefern konnte, ging, basierend auf die gleichen Pläne, der Ford GPW (General Purpose Willys) ebenfalls in Produktion.
Etwa 30% der Jeep Produktion wurden an die russischen und britischen alliierten Streitkräfte geliefert.

 


(c) Gemeinfrei, wikipedia
WWII-jeep-with-M100-trailer-potsdam.gif
Erstellt: 14. Juli 1945


Der Willys M 201:

 

Nach   dem   Ende des zweiten Weltkrieges übernahm die französische aliierte Armee tausende der in Europa während des Krieges eingesetzten Willys Jeeps.
Ein großer Teil war nach den Kriegseinsätzen nicht mehr fahrbereit und konnte es auch nicht mehr gemacht werden. Folglich wurden die Teile der Jeeps zur weiteren Verwendung ausgeschlachtet.

Die französischen E.R.G.M Werkstätten bereiteten noch nutzbare Teile auf und setzten sie ab 1946 zu ‚neuen‘ Fahrzeugen zusammen.
Nicht mehr verfügbare Teile mussten neu produziert durch die schließlich hierfür gegründete Firma 'Willys Overland France' (WOF).
Man findet daher in einzelnen Fahrzeugen Originalteile mit dem WOA-, und Nachbauteile mit dem WOF Stempel.

 

Große Nachfrage nach den Jeeps bestand noch immer, und mit Lizenzverträgen wurden sie etwas später auch wieder hergestellt sowie weiterentwickelt.

 

Ab dem Baujahr 1958 gilt die Bezeichnung Hotchkiss M201. Bei diesem Modell wurde technisch gegenüber dem MB einiges verbessert. So wurde der Leiterrahmen verstärkt und ein neues Allradgetriebe mit einer wesentlich stärkeren Getriebewelle wurde eingesetzt. Weg vom ursprünglichen 6V System wurde die Elektrik erst in ein 12V, dann ab der Seriennummer 08961, in ein 24V System mit zwei in Reihe geschalteten 45Ah Batterien weiterentwickelt.

 

Die M201 Serie hatte eine Gesamtauflage von 27.628 Fahrzeugen, wovon heute noch geschätzte 5-6000 fahrbereit existieren oder auf die Restaurierung durch einen Liebhaber warten.

Der Willys in Europas modernen Zeiten:
Verschiedene Typisierungs- und Zulassungserfordernisse verlangen (teilweise leider) immer wieder kleinere Adaptierungen.
Ein in Österreich zugelassener Willys M201 muß eben auch über eine blaue Kontrolllampe für das Fernlicht verfügen. Die Nummerntafeln passen nicht auf das französische Orignalchassis und entsprechend muß auch die Beleuchtung adaptiert werden.
Ein Willys, der in Deutschland als historisches Fahrzeug zugelassen werden soll, braucht dies nicht, darf aber auch keinesfalls einen rechten Seitenspiegel haben. Dieses nützliche Teil ist in Österreich hingegen erlaubt, nicht aber zwingend vorgeschrieben.

 

Wer noch mehr wissen möchte, findet hier weitere Infos und Links.

Quellen:
Handbücher
wikipedia

Kaiser Willys